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Verständlichkeit von Survey-Fragen: Determinanten und Konsequenzen

Vortrag von Timo Lenzner vom Gesis Institut Mannheim anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Globalpark AG

Timo Lenzner geht in einer experimentellen Studie der Frage nach, welche Implikationen die Verständlichkeit von Texten für Web-Surveys haben. Gerade für das Medium Internet ist diese Frage von hoher Bedeutung: Nutzer im Internet sind allgemein weniger dazu bereit kognitive und motivationale Anstrengung aufzubringen, um sich mit der Vielfalt der Inhalte auseinander zu setzen. Diesem Phänomen kann Rechnung getragen werden, indem speziell bei Web-Surveys darauf geachtet wird, dass diese schnelle Antwortzeiten ermöglichen und für den Nutzer leicht verständlich sind. Die Verständlichkeit von Texten in Web-Surveys wird durch vielerlei Faktoren bestimmt. Unklare, vage Begrifflichkeiten beeinträchtigen die Verständlichkeit von Texten genauso wie eine komplexe Syntax der Sätze in Fragetexten oder Antwortoptionen.

Wie wirkt sich dies nun spezifisch auf die Bearbeitung von Web-Surveys aus? Im Rahmen des Unipark-Programms der Globalpark AG wurde von Herr Lenzner eine Studie durchgeführt, in der die Verständlichkeit von Fragetexten zwischen zwei Gruppen anhand mehrerer Textmerkmale variiert wurde. Diese zeigt folgende Effekte: Die Antwortzeiten gegenüber einer Gruppe mit gut verständlichen Texten steigen signifikant und die Abbruchquote nimmt bei schlechten Frageformulierungen zu. Darüber hinaus beeinflussen schlecht formulierte Fragen die Datenqualität der Befragungen negativ. Speziell das Satisficing kann bei Fragen geringer Verständlichkeit zunehmen. Darunter versteht man eine anstregungsvermeidende Strategie der Respondenten, bei der diese willkürlich antworten und nicht die am besten zutreffende Antwort wählen. Ein signifikanter Unterschied zeigt sich außerdem bei dem Phänomen der Aquieszenz. Hier neigen die Teilnehmenden unabhängig vom Inhalt dazu einer Frage zuzustimmen. Weiterhin werden bei schlecht verständlichen Fragen „mittlere Antworten“ einer Skala bevorzugt ausgewählt.

Die gefundenen Effekte konnte Lenzner in einer weiteren Studie belegen. Im Eye-Tracking Verfahren gewonnene Heatmaps zeigten deutlich eine längere Verweildauer der Respondenten bei den Frageinhalten zu ungunsten der angebotenen Antwortoptionen. Dies ist in sofern problematisch, da der Aufmerksamkeitsfokus weniger auf der Wahl einer validen Antwort liegt.

Timo Lenzner konnte mit diesem spannenden Beitrag eindrucksvoll zeigen, wie wichtig eine sorgfältige Formulierung von Web-Survey Fragen ist. Speziell im Hinblick auf kurze Aufmerksamkeitsspannen muss der Verständlichkeit der Inhalte, der Länge und des Typs der Web-Surveys und der allgemeinen kognitiven Belastung für den Teilnehmer bei der Beantwortung Rechnung getragen werden.

Autoren: Nico Burghardt, Sven Scherrer

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